Die Geschichte vom 12. Kamel
3. Mai 2014
Ich muss in solchen Auseinandersetzungen oft an eine orientalische Geschichte denken: Ein wohlhabender Beduine hatte die Erbfolge unter seinen drei Söhnen testamentarisch geregelt. Es ging um die Aufteilung seiner Kamelherde. Der Älteste, Achmed, sollte die Hälfte des Bestandes erhalten. Für den zweiten Sohn, Ali, war ein Viertel vorgesehen. Dem Jüngsten, Benjamin, war nur ein Sechstel zugedacht. Uns mag das ungerecht vorkommen. Doch niemand der Söhne protestierte, weil der Älteste doch zuerst für die Fortführung des Geschlechtes verantwortlich war. Nun hatte Krankheit kurz vor dem Tod des Vaters die Zahl der Kamele beträchtlich dezimiert. Als der Vater starb, waren noch 11 Kamele am Leben. Wie sollte geteilt werden? Achmed beanspruchte unter Berufung auf das ohnehin anerkannte Vorrecht des Ältesten sogleich 6 Kamele. Aber das war mehr als die Hälfte und so kam es zum Streit und man traf sich vor dem Richter wieder. Würde man genau teilen, stünden Achmed, dem Ältesten, genau 5,5 Kamele zu, Ali, dem Mittleren, 2,75 Kamele und Benjamin, dem Jüngsten, 1,8333 Kamele. Man hätte 2 Kamele schlachten müssen. Doch man brauchte ihre Kraft zum Tragen, ihren Dung zum Feuern, ihre Milch als Nahrung und ihre Wolle für die Kleidung. Tot waren sie viel weniger wert. Der Richter machte folgendes Angebot. Er sagte: „Ich gebe Euch eines meiner Kamele. Dann teilt. Und falls etwas übrig sein sollte, so gebt es mir wieder.“ Nun waren es 12 Kamele. Achmed bekam 12 Kamele geteilt durch 2 = 6 Kamele anstelle von 5,5 Kamelen. Ali bekam 3 Kamele anstelle von 2,75 Kamelen und Benjamin erhielt 2 Kamele anstelle von 1,8333 Kamelen. Jeder bekam also ein lebendiges Kamel mehr. Und 2 + 3 + 6 Kamele sind 11 Kamele – ein Kamel war übrig: man konnte es dem weisen Richter wieder zurück geben.

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